Vom Wildern im Wald und anderswo. „Platzhirsch“ von Nicola Förg

Jetzt habe ich schon wieder so einen Krimi mit Bergen gelesen, nur dass in dem auch noch viele Tiere vorkommen und sogar ein Hund auf dem Cover zu sehen ist – wer könnte da schon nein sagen? Also hab ich mich in der Nacht mal heimlich drüber hergemacht und beim Lesen unter dem Schreibtisch völlig die Zeit vergessen.

Das ist nämlich eine ganz schön komplizierte Geschichte, die diese Nicola Förg da erzählt. Zum einen geht es um Leute, die sich darüber streiten, welche Art von Jagd die richtige ist: die Gutsbesitzerin Regina will, dass das Wild zu gewissen Zeiten geschont wird und sich erholen kann, aber ein paar andere sagen, die Abschusspläne sind das Wichtigste, deshalb muss effizient gejagt werden, egal zu welchem Preis. Jetzt ist die Regina tot, und als wachsamer Hund frage ich mich natürlich, ob das mit ihrem öffentlichen Geschimpfe auf die Effizienzjäger zu tun hat.

Zum anderen ist da aber auch noch eine ganz alte Sache aus den 1930er-Jahren, von der ein Tagebuch erzählt. Immer wieder sind so Abschnitte eingestreut, in denen man von den armen Kindern aus dem Lechtal erfährt, die über die Alpen nach Schwaben gezogen sind, um dort zu arbeiten. Diese Schwabenkinder hat es wirklich gegeben, und sie tun mir selbst im Nachhinein ganz arg leid, weil sie nicht nur so hart schuften mussten, sondern obendrein oft noch auf andere Arten ausgenutzt wurden. Beim Lesen ist mir mein Hundeherz ganz schwer geworden, besonders weil sich allmählich rausgestellt hat, dass diese Vergangenheit auch für die Gegenwart eine große Rolle spielt.

Im Nachhinein muss ich sagen, die Nicola hat das richtig toll gemacht: Die Personen in ihrem Buch sind praktisch wie lebendige Leute, jeder mit einem Haufen Macken, wie ich das von den Menschen eben so kenne. Allen voran die beiden Ermittlerinnen Irmi und Kathi, die eine etwas ruhiger, die andere schon etwas laut und zickig, aber beide irgendwie auf Draht. Sie verdächtigen so nach und nach immer wieder jemand anders, und das ist so schlau geschrieben, dass ich jedes Mal drauf reingefallen bin! Am Schluss ist es dann aber ... ach so, das darf ich ja jetzt wieder nicht verraten, sonst braucht Ihr das Buch gar nicht zu lesen.

Kurz und gut: Man erfährt auf spannend verpackte Weise eine Menge über die armen Leute von früher, über die Jagd und sogar über das Wildern, und außerdem hat man eine Menge Spaß beim Mördersuchen, weil die Irmi und ihr Team manchmal so lustig sind und es auch in ihren Familien hoch hergeht. Da gibt's nur eins: lesen!
Euer waidgerechter Literaturkritiker –
Xaver

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)