Ab in den Süden. Dem Winter hinterher!

Den Song „Ab in den Süden, der Sonne hinterher" von Buddy kennt Ihr wohl alle, oder? Ihr wisst schon: „Eeh ab in den Süden, der Sonne hinterher, ejo ..." Erinnert Ihr Euch? Tja, ich kann nur sagen: Es geht auch anders!

Als mir meine Bergfreundin Johanna kürzlich eine E-Mail schrieb und mich fragte, ob ich sie auf einem Kurztrip nach Antalya begleiten möchte, dachte ich an alles, nur nicht an Berge. An schneebedeckte Gipfel schon gleich dreimal nicht. Was mir hingegen spontan in den Sinn kam: Bettenburgen, Pauschalurlaub und Bikini. Was sollte ich da? Ich bin schließlich Xaver, der Bürohund, der in die Berge will. Neben einer Badehose sollte ich auch warme Sachen für eine Schneeschuhtour einpacken? Na servus! Doch weil ich meiner Lieblings-Jo blind vertraue, sagte ich zu.

Am Flughafen München war ich erst mal richtig überfordert. Zum einen, weil ich ja nicht so oft in einen Flieger steige und daher vor dem Abflug immer noch ein bisserl nervös bin. Zum anderen, weil mir Johanna erst dort erzählte, dass wir nicht alleine fliegen, sondern eine Art Test-Gruppenreise mit dem DAV Summit Club antreten. Xaver goes DAV Summit Club! Mehr geht für einen bergbegeisterten Bürohund nicht.
Also habe ich mich artig vorgestellt und dafür bedankt, dass ich überhaupt mitkommen durfte. Ich spürte sofort, dass der Joachim – er macht die Pressearbeit für den DAV Summit Club – und der Robert, der das Reisebüro des DAV Summit Club beim Globetrotter in München leitet, supernette und legere Kerle sind. Für jeden Spaß zu haben. Na, und wenn ich Euch jetzt verrate, dass der Michael Ruhland, Chefredakteur vom Magazin Bergsteiger, auch mit dabei war, dann versteht Ihr meine Aufregung sicherlich. Xaver inmitten geballter Bergkompetenz. Was für eine Ehre!

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Der Flug mit SunExpress nach Antalya war ein erstes Highlight, weil ich noch nie die Alpen von oben gesehen habe. Da ich einen Fensterplatz hatte und das Wetter grandios war, konnte ich mit freiem Auge den Watzmann erkennen, das Steinerne Meer, den Hochkönig, das Kitzsteinhorn, den Großglockner, und später die Berge rund um den Katschberg, ehe sich ab Kärnten dicke Wolken bildeten und den Blick versperrten. In Antalya angekommen ging es in ein ziemlich cooles, feines Boutiquehotel mitten in der Altstadt. Von dort schlenderten wir bei angenehm milden Temperaturen am Hafen entlang zum Abendessen in ein feines Restaurant. Ach Leute, was darf ich doch für ein tolles, abwechslungsreiches Hundeleben führen, oder? Dass wir am nächsten Tag auf einem schneebedeckten Gipfel im Taurus-Gebirge stehen sollten, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht glauben. Es roch nach Meer, wir aßen Fisch, köstliche Vorspeisen und Salate ...

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Am nächsten Morgen wurden wir von einem Kleinbus abgeholt und sind Richtung Elmalı gefahren, was je nach Verkehrslage ab Antalya ein- bis eineinhalb Stunden dauert. Dort angekommen betritt man eine andere Welt. Elmalı liegt am Fuße der Akdağ-Berge, was frei übersetzt „weiße Berge" heißt. Elmalı selbst ist eine sehr beschauliche kleine Stadt. Es gibt dort ein paar Moscheen, türkische Cafes, einige Hotels und einen schönen Bazar.

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Der Name Elmalı heißt übersetzt „kleiner Apfel" und verrät, dass in der Gegend viel Obst angebaut wird. Überhaupt ist die Region sehr, sehr schön. Einfach, still, abgeschieden. Die Menschen dort sind dennoch gastfreundlich und sehr offen. Sie freuen sich über den Besuch von ein paar Touristen.
Ach ja, bevor ich es vergesse – das Tollste überhaupt – man musst sich in der Türkei keinen Wecker stellen. Denn der Ruf des Muezzin weckt einen gegen 6.30 Uhr. Da steht man echt senkrecht im Bett! Eine Bergtour in der Türkei kann man also gar nicht verschlafen. Da für mich das Ganze völlig neu war, bin ich schon in aller Herrgottsfrüh völlig aus dem Häuschen gewesen. Orient für Anfänger quasi.

Als wir dann aber tatsächlich in den Bergen waren und die ersten Höhenmeter hinter uns lagen, war ich wirklich baff. Es ist so schön im Taurus-Gebirge, das könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen. Man ist mutterseelenallein unterwegs. Gerade jetzt während der Wintermonate. Im Sommer tut sich zwar etwas mehr in den Bergen hinter Antalya, aber überlaufen ist das Taurus-Gebirge nie. Und weil das so ist und die Berge im Hinterland der Großstadt ein wahres Juwel, ein Outdoorparadies sind, versucht die Region Antalya, den Wandertourismus auf sanfte Art und Weise ein wenig anzukurbeln. In Kooperation mit dem DAV Summit Club werden ab diesem Jahr Gruppenreisen im Frühjahr und Herbst angeboten. So stehen ab 2014 insgesamt neun Wanderreisen über die Taurus Trails auf dem Programm. Damit will man auch der Abwanderung entgegensteuern. Seit der Tourismus an der Küste nämlich so floriert, verlassen immer mehr junge Leute das Hinterland, um in den Hotels und Bars an der türkischen Riviera zu arbeiten.
Und weil das Thema bei Wandertouristen aus dem deutschsprachigen Raum so gut ankommt, plant der DAV Summit Club künftig auch Termine im Winter anzubieten. Wir waren da, um die Attraktivität dieser Touren zu testen. Womit wir wieder am Berg und bei meiner Tour wären.

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Die ersten Höhenmeter schraubten wir uns noch auf einem gut ausgebauten Weg nach oben. Bald erreichten wir die Schneegrenze und betraten ein wahres Winterparadies jenseits der 2000 m. Kein Weg, keine Beschilderung. Nichts, nur Weiß. Und ganz vereinzelt in großer Höhe noch ein paar Wacholderbäume, weiter unten hie und da eine Zeder. Leute, was soll ich sagen? Jeder Gipfel jungfräulich, weit und breit keine Spur von einem Menschen. Nur von Wölfen – ja, ohne Witz!
Da es von der Region, in der wir unterwegs waren, praktisch noch kein Kartenmaterial gibt, waren wir natürlich mit einem Bergführer unterwegs. Und was für einem! Ömer Faruk Gülşen ist ein Bär von einem Mann. Ich lasse hier mal besser ein Bild sprechen, dann wisst Ihr, was ich meine.

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Er kennt die Berge hier wie seine Westentasche. Sein Markenzeichen? Ein Urschrei. „Huuuuuyyyyyt", rief er immer dann, wenn er sicherstellen wollte, dass wir alle da sind und ihn nicht aus den Augen verlieren. Das erste Mal erschrickt man richtig. Danach wurde der Schrei allerdings zum Running Gag. Schon klar, dass ich jetzt auf Bergtouren in den Alpen auch gelegentlich ein tiefes, lautes „Huuuuyyyyyyyt" in die Landschaft brüllen werde. (Und meine Mit-BergsteigerInnen jedes Mal damit schocke ...)

Neben Ömer begleitete uns auch Volkan Asli auf der Tour. Der 34-jährige türkische Reiseleiter und Wanderführer hat Archäologie studiert und während des Studiums sogar ein paar Auslandssemester in München verbracht. Volkan spricht fließend Deutsch und ist obendrein ein wandelndes Lexikon. Was der uns alles erzählen und erklären konnte, war einfach beeindruckend! Überhaupt, die ganze Tour hat mich gefesselt. Schaut selbst, wie schön es war.

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Die Berge wären ein wahres Skitouren-Paradies, bei guter Schneelage geradezu ein El Dorado für Freerider! Unglaublich, dass man nur eine Autostunde von den Stränden Antalyas entfernt und doch in einer ganz anderen Welt angekommen ist. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass auch ein Interesse an Wintertouren im Taurusgebirge besteht. Denn schöner und abgeschiedener kann man den Winter eigentlich nicht erleben.

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Dass ich am nächsten Tag schon wieder am Meer lag und die Seele baumeln lassen konnte, war der Gipfel des Genusses.

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Was bleibt? Viele tolle Eindrücke und die große Hoffnung, dass mich bald wieder jemand mitnimmt in die Türkei. Ob Winter oder Sommer, ist mir egal. Eine E-Mail genügt und ich packe meinen Rucksack!

Danke an dieser Stelle an meine Lieblings-Jo, die mich wieder einmal mitgenommen hat. Danke an Joachim und Robert vom DAV Summit Club, dass ich dabei sein durfte. Danke, Ömer und Volkan, für die vielen Informationen. Und danke an SunExpress für das Gratis-Flugticket und einen Platz in der ersten Reihe – ist ja eher selten für Hunde ...

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)