Böhmische Knödel, Bäume und ein Haufen Blödsinn. Xaver im Bayerischen Wald.

Unglaublich, aber wahr: Ich habe überlebt! Bei meinem ersten Wochenende im Bayerischen Wald war ich mit einer Mini-Horde Kinder unterwegs, und das hatte es in sich. Ich wurde in Bäume gehängt, in den Schnee gepfeffert und wäre fast den Wölfen zum Fraß vorgeworfen worden – um nur einiges zu nennen. Hätte ich nicht zwischendurch wunderbare Ausblicke, gutes Essen und viel Sonne genießen dürfen, ich hätte kapituliert.

Los ging alles auf der Rusel, diesem ersten Höhenzug des Bayerischen Waldes. Bevor ich überhaupt einen Wanderweg zu Gesicht bekam, fiel ich schon aus dem Auto, mitten auf den schlammigen Parkplatz. Na, das konnte ja heiter werden!

GEHsundheitsweg
Aber was soll ich Euch sagen: Es wurde tatsächlich heiter, sogar richtig lustig! So kann man sich täuschen. Drei kurze Jungs wanderten mit mir den GEHsundheitsweg und hatten genauso viel Unsinn im Kopf, wie es mir gefällt. Wir sind durch den Wald gerannt, auf Felsen geklettert, haben uns mit Schneebällen beworfen und auf einem Holzxylophon herumgeklimpert, das da mitten zwischen den Bäumen stand. Als bei der Schneeballschlacht plötzlich die Idee aufkam, dass man mich auf eine Schneemann setzen und mich dann runterschießen könnte, musste ich erst mal tief durchatmen. Zum Glück wurde der Gedanke schnell wieder verworfen.

schneemann
Die Erwachsenen waren indes ziemlich angetan von den Ausblicken in die Donauebene bis zu den Alpen am Geßinger Stein, dem idyllischen Blick vom Königstein zum Brotjacklriegel und den Resten einer nie fertiggestellten Klosteranlage aus dem 17. Jahrhundert. Mich hat das weniger tangiert, ich war ja mit Unfugmachen beschäftigt.

Geßinger Stein
Am nächsten Morgen dann musste ich dringend ausschlafen. Die Kinderhorde hatte sich vergrößert, also konnte eigentlich auch der Blödsinn, den wir heute anstellen wollten, nur exponentiell zunehmen. Um das zu überstehen, hab ich mich erst mal gestärkt. Nach einem Hirschragout mit Böhmischen Knödeln im Gasthaus Zur Waldbahn in Zwiesel war ich bereit für neue Schandtaten.
Und wirklich, noch bevor ich mich beklagen konnte, dass es jetzt reicht mit der Wirtshaussitzerei, ging es los zum Haus zur Wildnis. Das ist ein tolles Besucherzentrum mitten im Wald mit einer Ausstellung zum Nationalpark und - wer hätte es geahnt - einem Restaurant! Doch bevor sie mich dort reinverfrachtet haben, durfte ich tatsächlich ein bisschen wandern. Von der Haltestelle Lichtenthal der Waldbahn starteten wir los.

adler

Gleich nach ein paar Hundert Metern entdeckten wir eine echte Steinzeithöhle. Na ja, fast echt, also schon nachgebaut – aber echt gut nachgebaut! Verdammt gut sogar. Ich musste meinen ganzen Mut zusammennehmen und bin mit den Kindern rein in die dunkle Höhle. Die Wandmalereien haben mir total gefallen, aber dann hab ich den Rinderschädel entdeckt und bin tierisch erschrocken. Sollte ich diesem Gruselknochen etwa zum Fraß vorgeworfen werden? Dann fiel mir ein, dass Kühe weder Hunde noch Socken fressen, und außerdem war die hier ja schon seit Ewigkeiten mausetot.

Haus zur Wildnis Steinzeithöhle
Nach der Höhle ging's weiter durch die Tierfreigelände. Ich hab Auge in Auge mit einem Wildpferd gestanden, diversen Auerochsen beim Gelangweilt-Gucken zugeguckt und war gar nicht unfroh darüber, dass sich die Wölfe alle gut versteckt haben. Wer weiß, was den kleinen Wanderern da wieder eingefallen wäre ... Dafür hab ich aber ganz am Ende einen Blick auf einen Luchs erhascht. Da hab ich mich gefreut, weil das wohl ein ziemlicher Glücksfall war. Sagen die Leute.

Prezwalski-Pferd
Ja, und nach so vielen interessanten Erlebnissen konnte ich dann auch damit leben, dass ich am Spielplatz beim Wirtshaus einfach fallen gelassen wurde und von netten, mir bis dahin völlig unbekannten Menschen gerettet wurde.
Aber was sag ich immer? No risk, no fun!

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)