Xaver und die Elefanten. 1200 Kilometer auf dem Mountainbike.

Also, ich weiß ja nicht, was mir in diesem Leben noch bevorsteht, aber diese Tour war ganz sicher ein Highlight, so viel lässt sich sagen. Ich bin Löwen begegnet, Spinnen, Zebras, Drohnen und sogar Zahnärzten. Wo? Na, in Afrika natürlich!


Und dorthin hat mich Gerhard von Kapff mitgenommen. Ein bisserl verrückt, das hab ich gleich gemerkt, ist er ja schon. Der ist bis auf ein, zwei Stunden noch nie Mountainbike gefahren und ansonsten auch nur zum Einkaufen geradelt. Aber jetzt will er mit dem Mountainbike knapp 1200 km durch die Wüste heizen! In Begleitung von zwei Handvoll Mountainbike-Freaks, die diese Tour bei Hauser Exkursionen gebucht haben. Die Hälfte davon Engländer, die ganz besonders ehrgeizig sind, die andere Hälfte Deutsche. Und so ein hässliches Vieh ist auch noch dabei. Kuschli nennt es sich, ist angeblich ein Elefant und mit Gerhards Kindern schon über die Alpen gelaufen. Mit zwei Elefanten über die Alpen heißt das Buch. Gut, dass er zumindest den zweiten daheim gelassen hat.
Okay, jetzt sind wir also in Sambia, im Süden Afrikas, an den Victoria-Wasserfällen. Geht ganz schön weit runter da, puh!

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Immerhin hatten wir Glück. Gerhard ist beim Bungee-Jump von der Brücke 110 m in die Tiefe gesprungen, wir durften oben bleiben – und haben gekichert, als er ganz blass wieder raufkam. Heimlich natürlich, sonst hätten wir am Ende auch noch springen müssen.
So aber liegen wir ganz entspannt nachmittags am Sambesi und kuscheln uns in die Nähe einer großen dicken Katze, die friedlich neben uns schläft.

Ein paar Tage später sichten wir die ersten Affen. Sie haben ein Zelt entdeckt, auf dem sich ganz wunderbar herumspringen lässt. Zumindest solange die Bewohner nicht drin sind.

Geradelt sind Gerhard und die anderen natürlich auch wie die Wahnsinnigen, ein paar hundert Kilometer schon in den ersten Tagen. Richtig aufregend wurde es in Botswana. Im Kobe-Nationalpark sind unfassbar viele wilde Tiere. Hunde leider keine, aber dafür ein Elefant. Kuschli war ein wenig entrüstet, als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass er im Vergleich zu einem echten Elefanten schon etwas grob gestrickt ist. Aber wahrscheinlich hat er den Scherz gar nicht kapiert.
Na ja, auf den nächsten Bildern seht Ihr jedenfalls, was da alles los war in dem Nationalpark

Und plötzlich bekam ich sogar richtig Angst: Da waren Löwenspuren, ganz deutlich zu erkennen

Und schon entdeckten wir eine Löwenfamilie, die eine Antilope verspeiste. In nur zwei Meter Entfernung!
Aber auch die Zebras haben mir gefallen. Zebras sind eh meine Lieblingstiere – abgesehen von alpinen Murmeltieren natürlich.
Wie herrlich verrückt deutsche Touristen sein können, seht Ihr hier.

Eine Drohne, die ein Zahnarzt aus der Nähe von Berlin (Hallo Lutz!) mitgebracht hat. Mit der Kamera kann er aus 100 m auf die Landschaft runterblicken – und natürlich auch auf sich selbst. Toll, was? Lars, sein Sohn, war auch dabei. Der hat echt Glück mit so einem Papa!

Eigentlich haben wir ja immer im Zelt übernachtet. Nur einmal hatten wir die Chance, in einer Buschleute-Hütte zu schlafen. Spannend, ich hab jedenfalls kein Auge zugetan.

Das war unser Begleitfahrzeug. Ein Bus mit einem Radanhänger, der hier gerade an einem unserer Camps steht, und zwar ganz frühmorgens, gegen 5.30 Uhr, denn kurz darauf geht's in die Wüste Namibias. Genau genomen ins Hidden Valley. Ich sag's Euch: Solche Farben habe ich noch nie gesehen. Es ist ein ganz fantastischer, ein magischer Ort, an dem man stundenlang bleiben könnte. Zumindest wenn man von diesen ekligen Spinnen absieht.

Danach ging's wieder raus mit dem Bike in die Wüste, eine üble Schotterpiste, bei der ich froh war, noch nichts gegessen zu haben. Fast hat mir Gerhard leid getan, aber was soll's: Er wollte es ja nicht anders, also soll er leiden, hihi. Kuschli und ich haben uns wunderbar drüber amüsiert, wie er sich abgekämpft hat. 145 km war die Strecke lang, und gute zwölf Stunden hat er dafür gebraucht. Das Weichei.

Das sind einige der anderen Radler bei einer Pause. Pausen gab's vor allem unfreiwillige, denn ständig haben sich Dornen in die Reifen gebohrt. Pffft hat es gemacht, dann waren sie platt.

Ein Blick aus unserem Zelt auf eines der Camps.

Das Thema Essen ist gaaaaaaaaanz wichtig bei den Radlern. Wenn sie nicht so einen Burger bekommen wie den mit der dezenten Fleischeinlage, essen sie Toast. Vor allem die Engländer brauchen unzählige Soßen dazu. Worcestershiresauce, Senf, Ketchup, alles muss drauf, dann sind sie glücklich. Wie John, der uns sogar ein bisschen mitessen ließ. Cooler Typ, mit einer Stimme, die zwischen Mr. Bean und Brian Johnson (der Sänger von AC/DC) angesiedelt ist. Er radelt wie eine Maschine, und seine Frau Linda ist immer mit dabei. Wenn sie nicht gerade durch die Wüste radeln, radeln sie durch den Himalaya oder in Indien. Das Einzige, was Linda übrigens nicht mag, sind gekochte Schafsköpfe, hat sie mir erzählt. Nicht mal die Ohren, die Backen oder die zarten Nüstern. Ich hab nur tapfer genickt und versucht, nicht allzu grün im Gesicht zu werden.

Ein Buschmann, ein Ureinwohner Namibias. Netter Kerl, auch wenn er sich teilweise von Kleinlebewesen ernährt. Wir sind für alle Fälle in den Koffer zurückgeschlichen.

So eine Radpanne kann auch etwas Schönes sein. Man liegt in der Sonne und schaut zu, wie sich Gerhard ärgert und abmüht. Vor allem Kuschli hat das sehr genossen.

Das ist Nick. Nick freut sich ungefähr genauso wie Gerhard, wenn er eine Panne hat. Warum ein Elefant und eine Socke auf Reisen sind, hat er jedenfalls überhaupt nicht kapiert. Sehr Ihr seinen skeptischen Blick? Immer wieder hat er Gerhard gefragt: „Seid ihr Bayern verrückt, dass ihr einen hässlichen Stoffelefanten und eine Socke mit auf eine Radtour nehmt? Bei uns in England würde man solche Leute einliefern. Aber du bist hier. Warum?"
Umgekehrt hat Nick uns auch verblüfft. Er hat allen Ernstes versucht, einen Magen-Darm-Virus mit möglichst dick bestrichenen Majo-Toasts zu kurieren. Echter englischer Geheimtipp. Vier, fünf Tage hat es gedauert, dann konnte er wieder feste Nahrung zu sich nehmen.

Immerhin gab's noch ein paar Leute, die sich gefreut haben, wenn sie uns gesehen und als echte Mitreisende erkannt haben. Ulrike beispielsweise oder Lutz, der Zahnarzt aus dem Osten Berlins. Helena hat uns auch gemocht. Und dann hat es Kuschli plötzlich erwischt: Er hat eine Freundin gefunden. Eine, die genau – na ja, jedenfalls fast – aus dem gleichen Fell gemacht ist wie er. Kuschli hat sie geliebt. Schaut gemeinsam mit seiner afrikanischen Freundin verträumt in die Ferne und blickt ihr ganz tief in die Augen.

Nur allzu bald heißt es jedoch wieder Abschied nehmen. Nach einer heißen Nacht bei gut 30 Grad liegt der sichtlich erschöpfte Kuschli auf Gerhards Radtasche und hat Tränen in den Augen. „Adios, Geliebte, ich komme wieder, es sei denn, ich vergesse es", schluchzt er, „die Wahrscheinlichkeit ist groß!" „Die Wahrscheinlichkeit für was?", ruft sie ihm hinterher. Er schaut verwirrt. Wahrscheinlich hat er es bereits vergessen.

Es geht weiter in Richtung Südafrika. Mal sind die Offroad-Pisten schlecht, mal schlecht und sandig, mal fast unbefahrbar. Egal, wir müssen ja nicht fahren, Gerhard tritt mit Begeisterung in die Pedale.
Der Ausgleich für all den Sand ist der Pool im Fish River. Wir dürfen nur leider nicht rein. Gerhard hat längst mitgekriegt, wie wir immer über ihn ablästern, und lässt uns jetzt im Zelt schmoren. Während er badet und ein kühles After-Bike-Bier schlürft. Tierquäler!

Doch dann sind wir tatsächlich da. Nach drei Wochen durch die Wüste haben wir Kapstadt erreicht. Wir sind mächtig stolz. Wir haben im Begleitfahrzeug ausgeharrt, haben uns auf dem Rad herumfahren lassen, haben die Wellblechpisten ertragen und die Hitze Afrikas. Wir haben einen Menschen gefunden, der uns kostenlos durch die Weiten der Wüste geleitet hat, ausschüttelte, wenn wir verstaubt waren, und einpackte, wenn es gefährlich wurde. Hat er echt gut gemacht, der Gerhard, auch wenn er bis heute nicht kapiert hat, dass eigentlich WIR die Reise machen wollten. Na ja, soll er glauben, was er will – Hauptsache, er ist glücklich dabei.

Schaut, wie er sich freut, als er uns die Pinguine zeigt, die Muscheln am Strand, und wie traurig er ist, als er sich von mir verabschiedet.
Nimm's nicht allzu schwer, alter Mann (der wurde doch tatsächlich 50 auf dieser Tour)! Vielleicht, wenn du ganz brav bittest, darfst du beim nächsten Mal ja auch wieder mit.

Greetings,
Xaver und Kuschli

Was er noch alles in Afrika erlebt hat, hat Gerd auf dem Blog biketourafrika beschrieben. Was er sonst so macht und welche Bücher er geschrieben hat, steht auf www.muenchenvenedig.com. Und jetzt endgültig servus.

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)