Genusswandern am Alpenrand. Xaver schwelgt sich satt.

Also, ich weiß ja nicht, ob Euch das schon mal aufgefallen ist, aber ich bin wirklich vielseitig. Ganz egal, ob ich auf Slacklines über Abgründe geturnt oder auf der Silvretta herumgehüpft bin, ob ich grade La Palma unsicher gemacht oder dem Nordlicht ins Auge geblickt habe, ich bin und bleibe der bescheidene Xaver, der manchmal auch einfach gern durch die heimischen Voralpen spaziert. Warum? Na, weil sie einfach schön sind!


Meine Haus- und Hoflektorin ist mit ihrem Mann Alfons in Kochel am See gewesen, und ich durfte mit. Ursprünglich stammt sie nämlich irgendwie von da, wenn ich das richtig verstanden habe, und kennt sich deshalb gut aus. Dachte sie zumindest immer, bevor ich ihr gezeigt habe, was sie alles noch nicht kennt.

Zuerst hab ich sie natürlich machen lassen – schließlich bin ich nicht nur ein bescheidener, sondern auch ein charmanter Hund. Also sind wir am ersten Tag auf die Kohleiten rauf und dem Weg einfach immer weiter gefolgt. Der Ausblick auf die Hausberge Herzogstand und Heimgarten war gar nicht so schlecht, und der Jochberg hat in mir direkt nostalgische Erinnerungen an meine allererste Bergbesteigung geweckt. Meinen Sinn für Humor hab ich dann auch gleich bewiesen und auf diversen Schildern und Pfeilern posiert, da wollte ich mich nicht lumpen lassen! Dass sich ein Zwischenstopp im Alpengasthof Rabenkopf lohnt, zu dem man über den Pfisterberg absteigen kann, bevor man durchs Kochler Moos wieder heimwärts wandert, durfte ich zwischen Schweinebraten, Böhmischem Kraut und einem unglaublichen Gulasch selbst feststellen.
Kochel Foto 1

Am zweiten Tag war dann ich dran. Ich habe Tamara ans Steuer ihres Wagens gesetzt, und dann fuhren wir zu dritt über den Kesselberg hinter nach Klais. Der kleine Ort zwischen Krün und Mittenwald ist wie fast alle Orte dort ein Superausgangspunkt für spektakuläre Ausblicke. Ich hatte für diesmal den Weg hoch zur Elmauer Alm gewählt, wo ich schon die ganze Zeit hinwollte, seit ich heimlich „Meine Lieblings-Alm" verschlungen hatte, ein ausgesprochen wohlschmeckendes Buch.
Und was soll ich sagen? Was die da drin über die Elmauer Alm schreiben, ist von vorn bis hinten wahr. Ich habe Alfons und Tamara dazu überredet, mir eine Currywurst und einen Apfelstrudel zu bestellen, und obwohl sie etwas zweifelnd dreinschauten, überzeugte auch sie dann das Ergebnis: Die beste Currywurstsoße, die ich je gegessen habe, mit bunten Blüten drin und einem geradezu indisch angehauchten Aroma, und dann der Apfelstrudel ... meine Herren ... ein Gedicht in Vanillesoße!
Na, zu wundern braucht man sich über diese Haute-Cuisine-Wurst eigentlich nicht, denn die Alm wird nahrungsmäßig vom Elmauer Schloss beliefert, und das hat seine vielen Sternderl nun mal nicht umsonst bekommen. Ich gebe zu, erst als ich meinen Hunger gestillt hatte, konnte ich mich dem Panorama widmen, da ging ich dann allerdings in die Knie davor. Was für eine Wahnsinnsaussicht!
Kochel Foto 2

Zugspitz, Alpspitz, Wetterstein- und Karwendelgebirge, da ist echt alles geboten. Und der Aufstieg ist so leicht und schön – man wandert zwischen Almwiesen mit Schusternagerln und größeren Enzian-Arten, mit Sumpfdotterblumen, Kartäusernelken und Bach-Nelkenwurz dahin, begegnet Bienenstöcken und streift das gewaltige Grundstück des „Kranzbach", ein Wellnesshotel der Extraklasse. Dass es zwischen 1913 und 1915 von der reichen Engländerin Mary Isabel Portman erbaut wurde, sieht man ihm an. Es liegt ganz einsam da droben, und die Kulisse aus gewaltigen Bergen hat fast schon was Unheimliches ... da ist es auf der Alm schon lustiger!
Am dritten Tag war dann leider schlechtes Wetter – obwohl, was heißt leider. Ich hab die Gunst der verregneten Stunde genutzt und mich ein bisschen in unserem Quartier umgesehen. Meine Begleiter nächtigen dort immer, wenn sie in Kochel sind, und hatten mir schon davon vorgeschwärmt. Tja, und ich kann's seither verstehen. Der Giggerer hat nämlich nicht nur tolle Ferienwohnungen mit Aussicht auf die Kochler Berge (wir waren in der „Jochberg"), sondern ist gleichzeitig auch ein Café: ein Bauerncafé der Extraklasse. Wenn Ihr jemals Sehnsucht nach dem Paradies habt, fahrt einfach hin: Dort ist man echt im Kuchenhimmel! Von der Herrentorte über die Schmied von Kochel bis zum sagenhaften Apfelkuchen – egal, was Ihr Euch aussucht, alles schmeckt traumhaft gut und selbstgemacht. Also, wenn's nach mir ginge, dann hätte die Backkünstlerin Evi mindestens so viele Sternderl verdient wie die Elmau ...
Kochel Foto 3

Den Tag beschlossen haben wir nach einem ausgedehnten Spaziergang durch Kochel (wo ich Tamara wieder die Führung überließ) dann aufs Köstlichste in der Höhlmühle, und ich muss sagen, als wir am nächsten Tag wieder nach München zurückfuhren, war's höchste Zeit. Denn auch wenn Sockenhunde nicht so schnell zunehmen wie Menschen, Genusswandern kann – in gewisser Hinsicht – ganz schön anstrengend sein ...

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)