Reif für die Insel: Xaver auf La Palma

Kathrin und Johanna sind immer wieder für eine Überraschung gut. Die beiden haben mich einfach in ihren Rucksack gepackt und den Deckel erst wieder aufgemacht, als wir auf La Palma waren. Der DAV Summit Club veranstaltet seit vielen Jahren Wanderreisen auf dieser wunderschönen Kanareninsel. Ich war vier Tage dabei und bin hin und weg – so schön ist es auf „La Isla Bonita".

Auf dem Rückflug habe ich mich mit meinen beiden Begleiterinnen unterhalten. Yeah: Xavers erstes Interview!

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Vielleicht kann ich ja auf La Palma Inselreporter werden ...?

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Kanntest Du die Kanaren schon?

Johanna Ich war vor vielen Jahren einmal auf Teneriffa und fand die Insel sehr, sehr schön. La Palma hat mir jetzt allerdings noch besser gefallen.

Warum?

Johanna Die Insel, sie ist ein sogenanntes Biosphärenreservat der UNESCO, erscheint mir viel weniger touristisch erschlossen als Teneriffa und ist darüber hinaus landschaftlich extrem abwechslungsreich. Auf einer Fläche so groß wie die Stadt Hamburg bietet La Palma extrem gegensätzliche Ecken – das hat mich beeindruckt. Ich werde sicher wiederkommen. Dann aber länger. Mindestens zehn Tage. Es gibt einfach sooo viel zu entdecken. Ich pack dich dann auch wieder ein, versprochen!

Was hat dich auf La Palma am meisten überrascht?

Kathrin Ich war noch nie auf den Kanaren, habe aber natürlich schon viel darüber gelesen. Überrascht hat mich nichts, gefallen hat mir alles (bis auf die großflächigen Plastikabdeckungen bei den Bananenplantagen). Ich stelle es mir herrlich vor, auf einer Insel zu wohnen, wo irgendwie immer Frühling ist. Ach ja, beeindruckend fand ich diese Wolken-Nebelwände, die es manchmal übers Gebirge gedrückt hat, und das Wolkenmeer über dem Atlantik, wo gerade noch der Teide herausgeblitzt hat. Der steht auf Teneriffa und ist mit 3718 Metern Spaniens höchster Berg.

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Wie war die kanarische Küche?

Johanna Lecker war's, Xaver! Nun kann ich nach vier Tagen ja nicht die gesamte Bandbreite der Kulinarik kennen, aber ein paar Highlights durften wir probieren. Meine Favoriten: Garbanzos! Kichererbsen sind ein fester Bestandteil der kanarischen Küche. Köstlich die entsprechenden Suppen oder Eintöpfe. Und dann natürlich die besonderen Kartoffeln „Papas Arrugadas". Die runzeligen Kartoffeln mit Meersalzkruste sind der absolute Hit. Dazu reicht man köstliche Dips, die sogenannte Mojo Verde oder Mojo Picante. Die grüne Variante besteht aus Petersilie, Koriander, Avocado, Essig, Öl und Kreuzkümmel. Die rote Mojo wird aus Paprikapüree gemacht. Im Restaurant La Luna in Los Llanos haben wir außerdem eine geniale Bananensuppe gegessen. Ich werde den Wirt Stefan Braun noch einmal kontaktieren und nach dem Rezept fragen. Der gebürtige Dortmunder ist 2001 auf die Insel gekommen und führt das entzückende Lokal inmitten der Altstadt von Los Llanos. Ach ja, noch was: Ziegenkäse aus La Palma schmeckt einfach fantastisch. Queso Palmero lagert ein paar Tage in einer Salzkruste und wird anschließend über Kiefernholz, Mandelschalen und getrockneten Kaktusfrüchten mild geräuchert. Es ist, als nähme man in einem Stück Käse das gesamte Aroma der Insel in sich auf. Sagenhaft gut.

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Kathrin, kannst du die Insel La Palma ein bisschen genauer beschreiben?

Kathrin La Palma ist die nordwestlichste der sieben Kanarischen Inseln, hat eine Fläche von 708 Quadratkilometern, ist 45 Kilometer lang und 27 Kilometer breit. Im Gegensatz zu seinen vulkanischen Nachbarn Teneriffa oder Gran Canaria ist La Palma mit seinen zwei Millionen Jahren ein junger Hüpfer. Die Küsten sind größtenteils schroff, und es gibt nur wenige Sandstrände. Wahrscheinlich hat deswegen der Massentourismus auf La Palma nie Fuß fassen können. Würdest du übrigens an der Westküste ins Wasser springen und die nächste Insel anpeilen, wäre das Kuba, lieber Xaver!

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Aber du hast es ja nicht so mit Schwimmen, oder? Außerdem wird das Wasser schnell tief und zwar richtig tief: 4000 Meter – also ganze vier Kilometer! Auf La Palma ist es das ganze Jahr über mild, das liegt am Nordostpassat und dem Kanarenstrom. Während es im Osten der Insel auch mal regnet, ist der Westen eindeutig wetterbegünstigt. Zu 80 Prozent findet man immer eine Ecke, wo das Wetter zum Wandern genau ideal ist. Mir haben vor allem die Kiefern- und Lorbeerwälder gefallen, schon alleine der Duft! Und bei jeder Banane, die ich esse, denke ich künftig an La Palma, die werden dort nämlich haufenweise angebaut. Die weiß abgedeckten Plantagen sind allerdings nicht immer eine Augenweide. Trotzdem ist La Palma wunderschön - mal grün und bunt, mal sandiges Vulkangestein – und trägt nicht zu Unrecht den Namen „La Isla Bonita", die schöne Insel.

Was muss man gesehen haben?

Johanna Wer das erste Mal auf La Palma ist, sollte unbedingt in der kraterähnlichen, überaus grünen Caldera de Taburiente im nördlichen Teil der Insel wandern. Pflicht ist sicher auch die sogenannte Ruta de Los Volcanes. Eine traumhafte Gratwanderung entlang vieler Vulkankegel. Die Mondlandschaft dort ist einfach atemberaubend. Richtig reizvoll fand ich aber auch den Stadtbummel durch La Palmas Hauptstadt Santa Cruz. Sollte ich wieder auf die Insel kommen, werde ich einmal sehr früh aufstehen. Ich möchte den Sonnenaufgang auf einem Berggipfel erleben. Oben sitzen, aufs Meer schauen ... auf die Nachbarinseln Teneriffa und La Gomera – sicher wunderwunderschön.

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Was spricht dafür, mit dem DAV Summit Club zu wandern? Man könnte ja auch alleine losziehen ...

Kathrin Mit dem DAV Summit Club ist die Reise einfach perfekt organisiert. Alexander Sputh, gebürtiger Kölner und Aussteiger, ist der DAV-Guide vor Ort und kennt die Insel besser als so mancher Einheimische. Er weiß immer, wo es am schönsten ist, was man gesehen haben muss und welcher Abstecher sich lohnt. Außerdem braucht man sich nicht um den Shuttle zum Ausgangspunkt der Wanderung und um den Rücktransport zu kümmern, sondern steigt nur ein und aus. Und, lieber Xaver, Wandern im Rudel kann viel lustiger sein als alleine.

Kann man noch was anderes machen, außer wandern?

Johanna Auf La Plama kann man sich outdoormäßig regelrecht austoben. Traumhaft wandern kann man – eh klar. Auch Mountainbiker kommen voll auf ihre Kosten. Und Gleitschirmflieger sind auf La Palma ebenfalls im Paradies. Das ganze Jahr über hat es auf der Insel ideale Flugbedingungen. Man kann aber auch wunderbar zum Tauchen gehen oder einfach einen der vielen Strände genießen. Die Kombination aus Berg und Meer fand ich besonders reizvoll. Tagsüber beim Trekking schwitzen und im Anschluss in den Atlantik zu hüpfen – das löste bei mir wahre Glücksgefühle aus. Sea & Summit – I like! Vom Gipfelkreuz direkt in die Strandbar ... wie schön ist das denn?

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Die ideale Reisezeit für La Palma?

Kathrin La Palma ist das ganze Jahr über eine Reise wert, wandern kann man immer. Allerdings kann es im Winter oben auf den hohen Bergen auch mal schneien. Die Wettersituation sollte man dann immer im Blick haben und nach starken Regenfällen die Schluchten meiden. Im Sommer empfehlen sich Wanderungen im schattigen Wald statt auf dem schwarzen Kraterrand der Vulkane – und ein früher Start, um nicht in der größten Mittagshitze unterwegs zu sein. Und als Belohnung gibt's ein Bad im Atlantik, natürlich auch für Hunde.

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Deine Lieblingstour auf La Palma, Kathrin?

Kathrin Das ist eine schwierige Frage. Die Caldera de Taburiente, die in den 1950er-Jahren übrigens zum Nationalpark erklärt wurde, hat mir sehr gefallen. Man wandert durch angenehm stillen und kühlen Kiefernwald, über schmale Holzbrücken und schaut immer wieder hinauf zu den zackigen Felsen dieses Vulkangebirges. Genauso toll ist es aber auch, dort oben zu stehen und in das weite, grüne Tal hinunterzublicken. Vom Roque de Los Muchachos, mit 2423 Metern der höchste Berg der Insel, führt ein gut ausgebauter Kammweg mit fantastischen Aussichten und Tiefblicken in die Caldera de Taburiente bis zum Pico de La Cruz (2351 m) und weiter zum Pico de Las Nieves (1949 m). Und von der Ruta de Los Volcanes hat Johanna dir ja auch schon vorgeschwärmt. Sie gilt als eine der exotischsten Touren auf den Kanaren und beginnt beim Refugio del Pilar. Entlang einer Vielzahl von Vulkankegeln und beeindruckenden Kratern – u. a. auch dem erst 1949 entstandenen Hoyo Negro – erreicht man den höchsten Punkt des Südkammes von La Palma, die 1949 Meter hohe Deseada. Bei guten Sichtverhältnissen erblickt man im Osten wie im Westen den blauen Atlantik, und auch den Bilderbuchvulkan San Martin. Der Abstieg bis Fuencaliente ist zwar lang, es geht aber zum Glück über weichen Lavasand. In der Bar in Fuencaliente sollte man sich dann auf jeden Fall ein kühles Getränk gönnen.

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Hast du ein Souvenir von der Insel mitgebracht?

Johanna Hab ich. Und zwar eine CD: „Ziriab La Magia del Momento". Unser Wanderguide Alexander Sputh, er arbeitet seit vielen Jahren für den DAV Summit Club auf La Palma, ist nicht nur ein verwegener Aussteiger, leidenschaftlicher Botaniker, Naturfreund und Inselkenner, sondern eben auch – oder vor allem? – ein begnadeter Gitarrist. Wir hatten das Vergnügen, ein einstündiges Privatkonzert erleben zu dürfen. Eine seiner CDs musste einfach in mein Gepäck. Wenn es in München regnet, lege ich die CD ein. Dann beame ich mich in Gedanken auf die Insel, hinein in die Wärme und Ruhe, die La Palma abstrahlt.

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)