Lang, aber lustig. Xaver auf Schmusetour durch den Frankenwald

Ein Wanderung von 43 km ist sogar für einen trainierten Sockenhund wie mich eine Herausforderung. Aber da ich zum einen ohnehin getragen wurde und zum anderen die Strecke durch den Frankenwald führte, den ich in bester Erinnerung habe, habe ich diese Herausforderung unerschrocken angenommen.

Angefangen hat alles, wie immer, mit einer Einladung. Diesmal kam sie von Torben vom Wandervideoblog. Am 10. Mai, hieß es, startet der Frankenwald-Wandermarathon. 43 km mit fast 1300 Höhenmetern an einem Tag, das lässt man sich doch nicht zweimal sagen – und so stand der Termin flugs in meinem Kalender.

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Am 10. Mai um sieben Uhr ging's dann richtig los. Begleitet von mehreren Musikgruppen und angefeuert von den Anwohnern Nordhalbens zogen Astrid, meine liebenswürdige Trägerin, ich und die fast 500 anderen Teilnehmer los. Wir haben uns gleich an den Beder-Baul (zu hochdeutsch: Peter-Paul) vom Bärenplatz gehängt, das Maskottchen vom letzten Jahr. Denn der Beder-Baul, dachten wir uns, der war ja schon mal dabei und kennt sich aus. Wir haben uns auch sofort gut verstanden, zumal wir als Erstes ein ordentliches Frühstück bekommen habe. Das hebt ja immer die Laune, auch wenn das in dem Fall eigentlich gar nicht nötig war. Aber sicher ist sicher.

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Auf diesen netten Auftakt folgte allerdings bald der erste Schreck: Die DDR tauchte aus den Fluten der Geschichte wieder auf und wir standen plötzlich am Grenzübergang. Und ich hatte kein Visum! Da half nur mein Charme. Ich habe ihn erfolgreich eingesetzt, und die netten Grenzpolizisten haben mir das Visum problemlos ausgestellt. Stellt Euch vor, der Otto war wirklich Grenzpolizist an dieser Grenze. Er hat sogar ein Buch über seine Erlebnisse damals geschrieben: Grenzgänger: Auf Streife am Eisernen Vorhang. Das muss ich unbedingt mal lesen. Bei allem was er mir bisher so erzählt hat, bin ich da aber mal ausnahmsweise froh, dass ich nicht dabei war.

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Offiziell ausgewiesen und bestens gestärkt waren die nächsten Kilometer natürlich ein Klacks. Ich hab's anscheinend gar nicht richtig mitbekommen (bin ich etwa eingenickt?), denn schon hielten wir wieder an, und es gab leckere Mittagssuppe.

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Nach der verdienten Rast hatte ich dann die charmanteste Begegnung überhaupt, um nicht zu sagen: ever. Ich bekam nämlich einen Lama-Kuss. (Und das Lama natürlich einen Xaver-Kuss, was für das hübsche Tier ohne Zweifel ebenfalls ein umwerfendes Erlebnis war.) Ich wollte mich gar nicht mehr trennen. Aber ich war ja beim Wandermarathon, nicht beim Kuschelmarathon. Ich versuchte mich also damit zu trösten, dass ich die Lamas vielleicht mal wieder besuchen und mit ihnen wandern darf.

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Als Nächstes trafen wir Thrundheims Krieger, mit denen ich zum Glück nicht kämpfen musste und die sich als sehr nett entpuppten, obwohl sie so gefährlich aussehen. In Wallenfels haben der Beder-Baul und ich beim Floßbau zugeschaut. Also, das ist bestimmt superlustig, mit so einem Floß auf der Flutwelle der Rodach runterzurauschen ... bis zur Brust tauchen die Leute an den Staustufen ins Wasser! Vielleicht kann ich das mit einer Lamawanderung verbinden, wenn ich schon mal da bin.

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Als es dann zu regnen anfing, zogen wir uns erst mal in ein schützendes Zelt zurück und widmeten uns Kaffee und Kuchen. Zudem gab's von den Frankenwald-Weibern „richtig echten grauslig-leckeren Kräuterschnaps" und tolle Lieder. Die haben vielleicht verrückte Musikinstrumente: eine Teufelsgeige zum Beispiel und ein Waschbrett mit Kochlöffel! Das hat mir natürlich gefallen. Aber die Texte von ihren Liedern, also, die waren nicht wirklich jugendfrei. Und das mir, wo ich ja vieles bin, aber sicher nicht volljährig. Nach diesem Päuschen mussten Beder Baul und ich das erledigen, was nun einmal ab und an zu tun ist. Komischerweise hat außer uns niemand diesen perfekten Freiluft-Donnerbalken genutzt. Warum nur?

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Tja, und dann hieß es auch schon: ab auf die Zielgerade. Da waren wir alle doch ganz schön erschöpft. Aber eine Massage hat uns wieder fit gemacht für den Endspurt zum Buffett. Als ich dann das Zeitungstitelblatt mit einem schönen Foto von unterwegs gesehen hab, war eh alle Anstrengung vergessen. Da war es auch egal, dass wir (wider mein Erwarten) nicht gewonnen haben. Die Zeit für Futter und Quatschen unterwegs war nämlich bestens investiert. Mir tun die Auf-Zeit-Wanderer, die es so eilig haben, schon ein bisschen leid – was die alles versäumen! Manche rasen regelrecht an den Stationen vorbei, praktisch noch bevor die überhaupt aufgebaut sind. Das ist doch kein Wandern und schon gar kein Genusswandern! Dabei ist der Frankenwald soooo schön ... so gegen Ende des Wandermarathons, entlang der Ködeltalsperre besonders.

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Übrigens muss man sich hier auch gar nichts denken, falls man mal auf der Strecke bleibt: Selbst wenn wir noch mehr gefuttert und geratscht hätten, wären wir gerettet worden. Es gibt nämlich einen Shuttle Service, mit dem man sich eine Station weiter fahren lassen kann. Das ist schon toll organisiert! Der Beder-Baul und ich haben lang überlegt, mit dem letzten Shuttle, einer Pferdekutsche, zu fahren ... aber dann wollten wir doch lieber die ganze Strecke schaffen!

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Kurz und gut, das war schon wirklich toll im Frankenwald beim Marathon. Kann ich Euch nur empfehlen. Diese Frankenwälder können halt wirklich alles – außer dem harten „P" und dem harten „T" – gell, Baul?

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)