Fast schon Haute Route. Xaver in der Silvretta.

Hochgradig unternehmungslustig, wie ich nun mal bin, hatte ich mich entschieden, noch einmal Schnee zu sehen diese Saison, und da ergab es sich recht praktisch, dass Florian für eine Woche den Bürostuhl gegen die Bretter eintauschte und mich auf eine Skitourenwoche in die Silvretta einlud. Schließlich habe ich mir ja für 2014 die Haute Route auf die Fahne geschrieben, und als Vorbereitung scheint mir die Silvretta gerade passend. Mein Frauchen hat mal wieder ein wenig gemault, weil nicht sie, sondern wie immer ich mitdurfte, aber nichtsdestotrotz hat sie mein Reisepäckchen klar gemacht, und so fuhr ich – erst einmal – nach Frankfurt.

Nach einer Woche dort auf der Fensterbank ging es dann endlich los. Und, o Wunder, es gibt ihn tatsächlich noch, den Schnee: Das Allgäu empfing uns immerhin mit Schneeregen,

BILD 1

und ein Stück weiter in Partenen lag die weiße Pracht überall. Von dort mussten wir mit der Gondel nach oben (das habe ich nicht in guter Erinnerung, weniger weil es so sehr schwankte, sondern ... na, seht selbst!);

BILD 2dann folgte eine haarsträubende Fahrt im Minibus durch einen Stollen, der auch gut als Geisterbahn herhalten könnte, und endlich waren wir da, am Gasthof Piz Buin! Die Ruhe da oben, wunderbar, und überall ringsum: meine geliebten Berge! 

BILD 3
Hier seht Ihr übrigens, mit wem ich dort war: Florian, der mich eingeladen hat, und sein Bruder Kristof – der ist mit dem Auto gefahren (und Ski auch, ist klar). Und dann ist da der Erhard, unser Bergführer, ein dufter Typ und echtes Urgestein – ein bisserl eigen, ein bayrisches Original eben; es ist richtig klasse, jemanden wie ihn als Bergführer zu haben. Manchmal macht er auch ganz unorthodoxe Dinge, grad so, als wäre er einer von uns ... 

BILD 4
Gleich hatten wir nun ein ziemliches Problem: Das Wetter war wirklich bescheiden, Nebel und Schneefall und Lawinengefahr. Ich bin ja nicht zimperlich, aber als selbst der Erhard sein Gesicht in Falten legte, da wusste ich, das schaut mau aus. Also als „Eingehtour" lediglich die Wiesbadener Hütte ... 

BILD 5
Doch das stellte sich als glückliche Fügung heraus! Dort oben wurden wir nämlich so herzlich von der süßen Andrea empfangen, dass ich mir beinahe überlegte, dem Rucksack- und Päckchenleben Adieu zu sagen und dortzubleiben:

BILD 6 ihre gesungene Sprache, ihr zartes Fingerspiel auf der Kassa, der liebliche Geruch nach Würstel und Speck ... Ich muss gestehen, ich hab mich ein wenig verliebt in dieses Wesen, obwohl es nur zwei Beine hat. 

Nur das gute Zureden der beiden Ankes ließ mich schließlich wieder in den Rucksack steigen. Ach ja, die beiden Ankes: sehr praktisch, oder? Bei so vielen neuen Gesichtern hat man sich wenigstens nicht so wahnsinnig viele Namen zu merken. Die eine kommt aus Düsseldorf und die andere aus Köln, trotzdem haben sie sich gut vertragen. Und ehrlich mal, wenn die nicht dabei gewesen wären, hätte mich der Florian wahrscheinlich nicht mal aus dem Rucksack geholt, der Bazi! Und dabei musste ich mir mein Fach auch noch mit der Schaufel teilen! Immerhin konnte ich wenigstens den Kopf rausstrecken, wenn ich wollte.
Und das wollte ich unbedingt, vor allem am nächsten Tag, denn da war nach Nebel am Morgen eitel Sonnenschein von links nach rechts und von unten bis oben.

Und es kam noch besser! Ich bin ja nicht der einzige Hund, dem die Berge gefallen – ich hab prompt Gleichgesinnte getroffen: Ivy und Charly, das Labradorgeschwisterpaar.

BILD 7

Ich hab nicht schlecht gestaunt, als sie den ganzen Weg zum Hennekopf rauf- und runtergaloppieren, und zwar schwanzwedelnd! Allerdings waren die beiden nach der Tour zu nichts mehr zu gebrauchen, nur noch als Bettvorleger ...
Am nächsten Tag war mein erster 3000er dieser Tour fällig, wobei wir leider nicht bis zum Gipfel gingen (Rauhkopfscharte 3005 m):

BILD 8

Es hatte wieder angefangen zu schneien, sehen konnte man eh nicht viel, und meine Schnauze wurde kalt.

BILD 9

Hier sind übrigens alle meine Begleiter zu besichtigen, außer Florian, der musste ja das Foto machen (und außerdem hat ihm der Anstieg so zugesetzt, dass sein großer roter Kopf vermutlich gar nicht mehr aufs Bild gepasst hätte).
Tags darauf große Freude, als ich in der Kromerscharte meine beiden Kollegen Ivy und Charly wiedertreffe.

BILD 10 Fast hätten sie mich vor lauter Freude vom Berg runtergewedelt – und das auch noch auf die Schweizer Seite, wo ich doch meinen Hundepass vergessen hatte ... 

BILD 11

... aber zum Glück hat mich der Magnus gerettet. 

BILD 12
Die beiden haben mich wohl für ein Käsebrot gehalten! Da hab ich mir's lieber auf Florians Arm gemütlich gemacht; stylish ist was anderes, oder?

BILD 13

Der ein oder andere mag in der Zwischenzeit nachgeschaut haben, wie hoch denn nun die Rauhkopfscharte wirklich ist, ob 3005 m oder 2991 m oder 2975 m ... Also, bevor sich jemand beschwert (das ist ein Blog, keine wissenschaftliche Abhandlung): Wir haben die 3000 m auf jeden Fall überschritten, und zwar zwei Tage darauf. Wiederum ein wunderschöner Morgen, der sich über dem Stausee ankündigte. Über den ging es dann auch, und zwar am Seil hinter dem Skidoo. Dann durch das Klostertal auf den gleichnamigen Gletscher, rum ums Eck und den Absatz rauf  –

BILD 14

und schon waren wir oben, auf der Schneeglocke.

BILD 15

Tja, ich muss gestehen, ich hab den Aufstieg im Rucksack einfach zu sehr genossen, vielleicht hat's also auch ein bisschen länger gedauert.

BILD 16

Diesen Aufstieg habe ich übrigens Rolf (im folgenden Bild mit blauer Jacke und verklärtem Blick) gewidmet, der vor knapp 50 Jahren bei seinem ersten Versuch, diesen schönen Aussichtsberg mit Skiern zu erklimmen, stattdessen mit dem Hubschrauber nach Innsbruck ins Uniklinikum geflogen wurde. Diesmal hat es endlich geklappt, Rolf, und ich freue mich, dass ich dabei sein durfte! Ihr seht, damit das Gipfelkreuz vor Freude nicht abhebt, halten es Holger und Rainer richtig gut fest! 

BILD 17
Ja, Freunde, das war's, tags drauf sind wir wieder ins Tal runter, wo alles schon wieder grünte.

BILD 18

Diese Woche war eindeutig die perfekte Vorbereitung für die Haute Route im Sommer, denn: Die Silvretta hat was von den Westalpen, darin sind wir uns ja wohl einig. Und mit dieser Gruppe, geführt von Erhard, auf die Berge hoch, das hatte echt Charakter!

BILD 19

Share

Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)